Mittwoch, 15. Februar 2017


Linux – (k)eine Option

Und was ist mit BSD?


Seit über fünf Jahren suche ich in verschiedensten Linux-Distributionen nach einer halbwegs vernünftigen Alternative zu Mac.


Hier die Gründe, warum dieses Unterfangen bis heute scheitert:


1.

Es gibt unter Linux keine vernünftige Backup-Lösung, welche auch bloß näherungsweise der Sicherheit und dem Komfort von Carbon Copy Cloner oder Super Duper am Mac entspräche.

Auf dem Mac mache ich mit CCC mit wenigen Mausklicks im laufenden System bootfähige Klone auf internen sowie externen Festplatten oder Sticks und kann diese danach ebenso einfach beliebig oft inkrementell updaten. Man hat immer exakt das aktuelle, voll funktionsfähige System auf dem Backup und kann dieses im Notfall booten und zurückklonen. Die Backup-Platten müssen lediglich genug Kapazität für alle Daten haben, also könnte zum Beispiel ein System von einer 500-GB-SSD mit insgesamt 15 GB Daten problemlos auf einen Stick mit 16 GB geklont werden.

Unter Linux kann man Partclone von Clonzilla verwenden. Damit können Partitionen geklont werden – aber bloß auf mindestens gleich große Partitionen wie die zu klonende – also völlig unpraktikabel!
Außerdem geht dies nicht im laufenden System, sondern Clonzilla muss von CD oder Stick gebootet werden – also sehr umständlich und langsam.
Inkrementelle Backups können damit gar nicht gemacht werden.
Dafür ist dann wiederum rsync nötig – und dieses synchronisiert nur bestimmte Daten, aber nicht das komplette System.
Mondo ist etwas umfangreicher, aber ebenfalls weder einfach noch komplett.

Bereits seit mehr als 10 Jahren existiert das zukunftsweisende Dateisystem ZFS, seit 2013 auch als OpenZFS. Aber noch immer nicht (und vermutlich niemals bzw. nur in unbenutzbarer FUSE-Version) unter Linux. Dies hängt wiederum mit der Lizenz (CDDL) zusammen, da die "Free Software Foundation" (FSF) nicht bloß proprietäre sondern auch die verschiedensten Open-Source-Lizenzen ablehnt und bekämpft.
Mit ZFS können beliebig viele "Snapshots" des jeweiligen Systemzustandes gemacht und wiederhergestellt werden – also eigentlich eine gute Backup-Lösung, obgleich immer noch nicht so bequem und sicher wie CCC auf Mac.

Über btrfs reden wir besser nicht ... jedenfalls nicht in absehbarer Zukunft.

Aus diesem ersten Grund alleine disqualifiziert sich Linux schon komplett für ein ernsthaftes System.
(Nein, "Network-Backups" oder die "Cloud" interessieren mich nicht!)


2.

Mark S. Miller entwickelte an der Yale University bereits 1980 das bis heute beste Darstellungssystem für Dateimanager – genannt "Column View".
Immehin bereits seit dem Jahr 2000 hat dieses im Finder von Mac Einzug gehalten. Und selbst für Windoof gibt es mehrere (allerdings kostenpflichtige) Dateibrowser mit Miller Columns.
Nicht so bei Linux: es gibt dort Dutzende so gleiche wie deshalb völlig überflüssige File Browser – aber bloß zwei davon hatten einst Column View: Marlin – dieser wurde komplett aufgegeben; und Dolphin von KDE (der Windoof-Kopie für Linux) – dort wurde Column View 2012 entfernt, "weil zu aufwändig zu pflegen". Nutzerproteste waren wertlos.

Mit Pantheon brachte elementaryOS eine Weiterentwicklung von Marlin auf den Desktop und ist damit die einzige Distribution überhaupt mit Column View. Leider ist elementaryOS aber ziemlich fehlerhaft (und ausgerechnet Pantheon Files ganz besonders) sowie ubuntu-basiert – also keine Option, da ich Canonical (die sehr fragwürdige kommerzielle Firma hinter ubuntu) komplett ablehne.
Ich hatte "Pantheon Files" auf Arch und Gentoo installiert – die Probleme waren dieselben wie unter elementaryOS selbst.

Auch dieser zweite Grund alleine reicht mir schon, Linux abzulehnen – ich werde kein System ohne Column View benutzen.


3.

Dies führt zum Problem der Linux-"Community":

Rund 1000 unbezahlte Entwickler über den Erdball verteilt arbeiten am Kernel, reichen ihre Commits an rund 50 Mittelsmänner weiter, welche rigoros aussortieren müssen und den Rest dann an Linus Torvalds weitergeben dürfen. Dieser sortiert weiter aus und übernimmt dann einiges weniges davon für den Kernel. (Geschätzte 1 % der investierten Arbeit findet Verwendung.)
WELCHE ZEITVERSCHWENDUNG!

An Projekten von Freier Software arbeiten noch viel mehr Menschen – die meisten davon in ihrer Freizeit. Und entsprechend setzen sie Prioritäten: nämlich nach Lust und Laune – nicht nach Bedarf.
Und so wird eifrig am fünfundzwanzigsten gleichen Disk Ulitlity, am fünfundzwanzigsten gleichen Desktop, oder am fünfundzwanzigsten gleichen Mail-Client gebastelt ... und dies erfordert dann natürlich jeweils mehrere Versionen, denn jede Linux-Grundvariante ist verschieden, und die mindestens 500 Distros sind auch nicht alle komplett kompatibel mit ihren Grundvarianten. Und wegen "Backwards-Kompatibilität" wird fast alles zusätzlich in 32-bit-Varianten angeboten.

Linus Torvalds bringt diesen ganzen Schlamassel auf den Punkt, indem er sagt, Linux sei für den Desktop leider noch immer nicht geeignet.

Linus Torvalds wird in der "Community" von den einen vergöttert, weil er der Messias ist. Von den anderen wird er gehasst, weil er der Messias ist. Und von der "Respekt-und-Toleranz-ist-alles-Fraktion" wird er weinerlich kritisiert, weil er kein Blatt vor den Mund nimmt und Schwachsinn sowie Schwachsinnige so wortstark wie treffend benennt.
Zitate (Originalton Linus Torvalds):
"Intelligence is the ability to avoid work, yet getting the work done."
"I don't respect people, unless I think they deserve the respect."
"I like being outragous at times. I like offending people, because I think, people who get offended, should be offended."

(Diesen und fast allen anderen seiner Aussagen stimme ich vollkommen zu.)

Noch zersplitterter als in Bezug auf Torvalds ist die "Community" bezüglich der jeweiligen Grundvariante: Canonical kämpft gegen alle anderen und besonders gegen Red Hat (es geht dabei natürlich um viel Geld), Debians wähnen sich als die einzig wahren Verfechter der Linux-Tradition (entsprechend "tradiert" sind auch deren Repositories), Arch und Gentoo belächeln die "unbedarften GUI-User", etc. etc. etc.

Weiters ist die Community in Bezug auf Software-Lizenzen gespalten:

Der Linux-Kernel steht seit 1992 unter der FSF-Lizenz GPL-2 und enthält trotzdem seit 1996 sogar proprietäre Komponenten (was viele offenbar gar nicht wissen und was der Lizenz diametral widerspricht).

Freie Software für Linux stand bis 2007 ebenfalls fast immer unter GPL-2, als die FSF allen Lizenz-Inhabern GPL-3 aufzudrücken versuchte – eine endlos lange, komplizierte, sowie in manchen Teilen absurde Lizenz, die es beispielsweise Hardware-Anbietern untersagt, ihre Geräte für manipulierte Software zu blockieren. (Solches ist aber in vielen Bereichen sowohl aus finanziellen als auch Sicherheitsgründen absolut sinnvoll.)

In weiser Voraussicht hatte Linus Torvalds seine GPL-2-Lizenz für den Linux-Kernel nicht mit dem ansonsten üblichen Zusatz "or later" versehen und weigert sich bis heute risolut, die GPL-3 zu übernehmen.

Der von FSF-Chef Richard Stallman bereits 1990 für sein GNU-Projekt angekündigte eigene "Hurd"-Kernel (der Linux-Kernel war für ihn ja nur eine zufällig vorhandene, temporäre Notlösung) ist nach über 25 Jahren noch immer nicht lauffähig und wird es wohl auch niemals werden ... was wenig verwundert, wenn man bedenkt wieviel Zeit und Eifer Stallman in seine missionarischen Aufklärungskampagnen steckt. Zwar halte ich Stallmans Warnungen vor proprietärer Software und deren Auswirkungen auf Freiheit, Sicherheit und Privatsphäre für wichtig und richtig, aber mit so manchen Details disqualifiziert er sich leider selbst und schadet der Freie-Software-Bewegung enorm, beispielsweise auch mit der abstrusen Forderung, Linux müsse "GNU/Linux" geschrieben und "gnu-slash-linux" ausgesprochen werden: der Code-Anteil in typischen Linux-Distributionen enthält mehr Linux als GNU, und es gibt zahllose Linux-Anwendungen ohne jeglichen GNU-Anteil. Außerdem werden Betriebssysteme eigentlich grundsätzlich nach dem Kernel benannt, nicht nach der installierten Software, egal wie "wichtig" letztere sein mag.

Es gibt dementsprechend einerseits die Verfechter der "reinen Lehre", welche wie Stallman alles als "böse" ablehnen, was sich nicht der GPL-3-Lizenz der FSF unterwirft, und andererseits die Pragmatiker, welche nicht bloß andere Open-Source-Software, sondern meist auch proprietäre Software verwenden – so zum Beispiel fast alle Linux-Distributionen.

Dagegen gibt es gerade mal ein Dutzend FSF-zertifizierte Distros mit "bereinigtem" Linux-Kernel ohne proprietäre Anteile – und diese Distributionen werden kaum beachtet, weil die freien Treiber schlecht funktionieren oder überhaupt nicht verfügbar sind.

Der Traum der "schönen freien Linux-Welt" dürfte aber ohnehin wohl spätestens seit dem finanziell wie philosophisch überwältigenden Beitritt von Microslut zur Linux-Foundation ausgeträumt sein!


4.

Eigentlich für mich inzwischen kein Ausschluss-Grund mehr: bei Linux geht trotz polierten Desktop-Oberfächen längerfristig gar nichts ohne Terminal.
Für Umsteigewillige von Mac oder Windoof, die zuvor nie die Notwendigkeit einer Befehlszeile hatten, ist das aber nicht praktikabel und schreckt ab.



Fazit:

Wenn Terminal-Benutzung beim Abschied von Windoof oder Mac ohnehin zur Notwendigkeit wird, benutzt der Bereitwillige besser gleich das viel sicherere, stabilere und ebenso kostenlose BSD (Berkeley Software Distribution).

Mit GhostBSD und TrueOS gibt es auch Varianten, die sofort mit GUI starten, also wie die Linux-Distros für den Anfang erstmal kein Terminal erfordern.

Aber auch die Einrichtung von FreeBSD ist unproblematisch – jedenfalls wenn man sich zuvor schon mit Linux herumgeplagt hat. Ich habe alle drei dieser BSD-Varianten länger getestet (sowie drei weitere kurz) und bin speziell mit GhostBSD und FreeBSD höchstzufrieden.

Für mich bleibt also "bloß" noch folgendes irgendwie einzurichten: meine geliebten

Miller Columns

 

 



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